analoges / der löffel

14/5/2017

 

neulich saß ich mit meiner familie beim koreaner. während wir uns ehrgeizig mit stäbchen über unser bibimbap hermachten, philosphierten wir auch über die offensichtlich unterschiedlichen besteckformen und tischsitten auf dieser welt. messer und gabel vs. stäbchen vs. bloße hände. nur einer kam erst einmal nicht zur sprache – bis ich keine lust mehr hatte aufgrund mangels an erfolgen mit stäbchen weiter zu essen und zum einzigen alternativ verbleibenden besteck auf dem tisch griff: einem löffel. 

 

dieser unscheinbare kollege von messer und gabel, den es wohlgemerkt in verschiedenen größen gibt, ist eines der selbstverständlichsten alltagsgegenstände und kulturelles sinnbild der westlichen lebenskultur. seine funktion ist so ziemlich immer dieselbe: etwas von a nach b zu "transportieren". von der vorratsdose in den topf, vom topf auf den teller, vom teller in den mund.

 

obwohl er verhältnismäßig nur von einem kleinen teil der weltbevölkerung benutzt wird, hat er bereits eine lange geschichte hinter sich und ist nicht nur das ursprünglichste, sondern war hierzulande lange auch das einzige werkzeug zum essen. als abbild der schöpfenden hand, stammt der begriff "löffel" vom althochdeutschen wort "laffan" oder mittelhochdeutsch "laffen", was übersetzt so viel bedeutet wie "schlürfen". die frühesten funde gehen bis in die steinzeit zurück. beliebte materialien damals: knochen und holz, später kam auch ton dazu. seit dem 15. jahrhundert gibt es den löffel voruzugsweise in metall – verzinnt, versilbert oder vergoldet. während unsere modelle heute zumeist aus edelstahl bestehen, findet man sie in asien vor allem aus keramik vor.

 

dabei ist der löffel längst (wieder) mehr als bloßer alltagsgegenstand. während er bis ins 20. jahrhundert von kunsthandwerkern noch mit verzierungen und inschriften versehen als wertvolles geschenk, familiäres erbstück und kostbarer besitzgegenstand galt und voller stolz in wohnzimmervitrinen oder an küchenwänden ausgestellt ward, ist er heute fast nur noch in form von monotonen, einheitlichen bestecksets in dunklen schubladen zu finden.

 

und doch besinnen sich immer mehr künstler auf seine sinnbildliche bedeutung zurück und schätzen den löffel in kreativen, künstlerischen (neu-)interpretationen wieder wert.

 

einer von ihnen ist joshua vogel. seine skulpturalen küchenwerkzeuge sind handgeschnitzt, zumeist aus ahorn oder kirschholz, und weit mehr als funktionale objekte. jedes einzigartige werkzeug ist teil einer limitierten auflage von 365 stück pro jahr. sie geben belanglosen alltagsgegenständen ihre identität zurück und schaffen eine intime verbindung zu täglichen aufgaben, gespickt mit viel liebe für hausgemachte mahlzeiten.

 

 
in der japansichen esskultur wird den verwendeten "werkzeugen" seit jeher etwas mehr aufmerksamkeit als hierzulande geschenkt. kunstvolle gerichte wie sushi & co. kommen ohne solche gar nicht erst aus. demnach gibt es auch viele handwerker, die hochwertiges geschirr und besteck fertigen. ein trend, der nach und nach auch die westliche welt erfasst: renommierte restaurants setzen nicht mehr nur auf kreative kulinarische kreationen und innovativ angerichtete teller, sondern auch auf namhafte keramik. nach und nach gilt selbes auch für das besteck. in asien findet man zum beispiel die traumhaft filigranenn modelle von yumi nakamura. aus materialien wie kupfer und messing bedient sie sich einer uralten, überlieferten japanischen technik aus der yayoi-zeit (300 BC - 300 NCHR). ihre designs stehen für einfache formen, handwerkliche qualität und pure eleganz.


ähnlich halten es auch die designs von helena emmans, wenn auch ihr ansatz ein anderer ist. die designerin lebt auf der isle of skye in schottland und entwirft neben schmuck auch wunderschöne löffel, die fast zu schade sind, um sie zu benutzen. inspiriert von der natur, dem meer und den lichtspielen auf der insel bestechen die löffel durch organische formen und leicht oxidierte oberflächen. so werden aus bloßen alltagsgegenständen wieder kleine kunstwerke von unschätzbarem ideellem wert. 

  

 

 

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