postpartum / die ersten schritte

9/4/2017

 

nun sind es fast sechs Wochen, seit mein leben einmal gehörig durcheinander gewürfelt wurde. "drunter und drüber" statt immerzu geradeaus heisst es seitdem. drunter und drüber in schön; und manchmal auch ganz schön anstrengend. es wäre gelogen zu behaupten, ich hätte mir vorher keine Gedanken gemacht, was sich alles ändern würde mit Baby. das habe ich natürlich. aber was soll ich sagen? es war Zeitverschwendung!

 

meine Vorstellungen wurden bei weitem übertroffen, und zwar in alle erdenklichen Richtungen.

 

es ist nichts mehr wie es war und vor allem nichts so, wie ich es mir ausgemalt habe. es ist so viel umwerfender und gleichzeitig anstrengender als sich erahnen lässt: und schlicht und ergreifend als wäre es nie anders gewesen. so viele neue Aaktoren, die auf einmal in die Gleichung "leben" mit einfliessen.

 

unfassbar, mit welcher Selbstverständlichkeit sich plötzlich alles um das neue kleine Menschlein dreht. Unfassbar, wie Frau (und auch mann, denn die Papas spielen keine minder wichtige rolle in dem gefüge, wie ich finde) über sich hinauswächst, welche Energien trotz schlafloser Nächte dank Oxytocin-Überschuss noch mobilisiert werden können und wie diese geballte liebe, die Sicht auf das leben verändert und die karten einfach neu mischt. wenn ich schon beeindruckt war, was wir physisch während einer Schwangerschaft zu leisten imstande sind, so fehlen mir jetzt im Grunde die Worte.

 

alles auf Anfang heißt es jetzt. am ende habe ich zumindest das schon in der Schwangerschaft ganz klar gespürt. neun Monate hatte ich zeit, mich von alten Gewohnheiten zu verabschieden. zeit, meinem zuhause in Berlin Lebewohl zu sagen (der wohl schwerste teil) und damit all den wunderbaren menschen, die mir über die letzten sieben Jahre so ans herz gewachsen sind. zeit, mich in meiner neuen Heimat bei Wien einzufinden. neun Monate, die viel zu schnell vergangen sind und deren beginn schon jetzt ein halbes leben her zu sein scheint.

 

im laufe dieses Prozess' habe ich diese Plattform gegründet, weil ich mich gefragt habe, was ich eigentlich möchte vom leben. für mich, für meine kleine Familie und für andere. antworten fand ich tief in meinem herzen, in der Entschleunigung und im Verzicht. das Resultat? ich versuche ein zunehmend einfacheres leben zu führen, mich von materiellem zu trennen, zukünftig (noch) nachhaltiger zu konsumieren und vor allem langsamer zu werden, auch wenn mir das noch immer in nur kleinen schritten gelingen mag. wie so oft hat mir das leben aber auch an der stelle dankbarerweise zugespielt und mir eine Brücke gebaut.

 

nach sieben Jahren Berlin, bin ich nun also in Österreich in Wien. streng genommen in einem kleinen Dorf ausserhalb. der großen Stadt – mit all ihren Möglichkeiten jedoch unmittelbar vor der Tür, natürlich war ich zu beginn skeptisch (ich habe mich bis vor wenigen Monaten in unanfechtbarer Überzeugung als eingefleischtes Großstadtmädchen gesehen), habe mich aber wie so oft dennoch darauf eingelassen. und siehe da: plötzlich kommt alles zusammen und mir offenbart sich ein leben, von dem ich im Grunde schon immer ein klein wenig geträumt habe: sich so gut es geht selbst zu versorgen, (noch mehr) dinge selber zu machen und meine bisherigen werte (die mir ohnehin schon recht vertretbar schienen) noch einmal zu überdenken und neu auszurichten. ich lerne jeden tag dazu, entdecke neue Wege und möchte das ein oder andere hier teilen – ohne dabei allerdings je den Zeigefinger zu erheben. vielmehr würde ich mich freuen zu inspirieren und vielleicht den ein oder anderen Denkanstoss zu geben. denn bewusst leben, heisst nicht zwangsläufig nur grenzen zu schaffen, sondern vielmehr binnen dieser aus neuen Möglichkeiten zu schöpfen.   

 

ich möchte verstehen, wo die dinge, die ich konsumiere, herkommen, wo sie hingehen und welche Verantwortung ich dabei trage. ich möchte meinem Sohn beibringen, dass Verzicht eher gewinn als Verlust ist, wenn man es richtig angeht. dass Bewusstsein für das eigene befinden ebenso wichtig ist,  wie die Wertschätzung des anderen, dass der schnelle weg, oft nicht der bessere ist. und so weiter und so weiter...

 

ob mir das gelingen wird, weiss ich nicht, versuchen werde ich es dennoch.

auf einen nuancenreichen Neuanfang... 

 

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