intuition / die stimme aus dem off

6/9/2017

 

"Wir haben das ja so gemacht...", "Macht man nicht... ?", "Ich habe gelesen, dass... " – so, oder so ähnlich beginnen sie für gewöhnlich – die kostenlosen Lebensweisheiten, um die ich in den meisten Fällen nicht gebeten habe. Denn Mamasein bedeutet auch, tagtäglich gut gemeinte Ratschläge zu filtern.  Natürlich kommt auch das Sprichwort "Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen" nicht von ungefähr, weswegen ich ein gesundes Maß an Fremdeinwirkung und Meinungen anderer auch gut akzeptieren kann – ja, manchmal sogar dankend annehme. Das "gesunde Maß" in puncto Ratschläge zum Thema Elternsein habe ich allerdings schon lange abgeschrieben. Denn ganz ehrlich: ich könnte oft genauso gut auf sie verzichten. Leider ist der Konjunktiv hier der einzig akzeptable, grammatikalische Fall – denn man kriegt sie ja doch, ungefragt und auf Kosten eines – meiner Meinung nach viel wichtigeren Ratgebers – Unserer Intuition! Eine wahre Supermacht, die wir viel zu oft unterschätzen.

 

Schon in der Schwangerschaft war das so. Die größten Sorgen stellten sich bei mir erst dann ein, nachdem andere sie für mich geäussert hatten – ist das Kind gesund, wieviel (medizinische) Vorsorge ist gut, werde ich der Aufgabe gewachsen sein? Das ist auch der Grund, warum ich für mich im Nachhinein den ein oder anderen Vorsorgetermin nicht mehr wahrnehmen und so manches Buch nicht mehr lesen würde. Denn Worte – und seien sie noch so guter Absicht –  haben eine immense Wirkung auf unser Unterbewusstsein, unsere Handlungen, unsere Stimmung, unser Sein. Sie sind der Nährboden für unsere Emotionen, sie schüren Freude, Hoffnung und manchmal eben auch Unsicherheit und Angst. Ein Aspekt, der uns in der Flüchtigkeit des Moments oft verloren geht.

 

Egal, worum es geht, oft muss ich im Nachhinein feststellen, dass meine erste intuitive Eingebung  die richtige war. Das gilt grundsätzlich für alle Lebenslagen, nicht nur im Alltag als Mama. Seit ich Mutter bin, ertappe ich mich aber dabei, wie ich diese Erkenntnis mit einer viel selbstverständlicheren Vehemenz einfach durchsetze. Zumindest, wenn es um meinen Sohn und diese – unsere Familie – geht, weiß ich es entgegen vieler klugen Ratgeber einfach besser! Und zwar ohne, es vorab irgendwo nachzulesen. Das muss ich nicht, ich höre in mich hinein und vertraue auf mein Gefühl. Und ich höre anderen Mamas zu, wie sie es machen oder gemacht haben. Weil auch sie ihrer Intuition folgen. Ebenso wie die meisten Papas wohlgemerkt.

 

Ich habe keinen ausgeklügelten Fahrplan in Sachen Kindererziehung, Schlaf- oder Essgewohnheiten. Ich mache es einfach, wie es für mich richtig scheint, von Moment zu Moment, jeder tag ein neues Abenteuer. Und ich fahre erstaunlich gut damit. Wenn sich dann doch mal Zweifel einschleichen, dann warte ich gespannt auf Donnerstagmorgen. Denn da erreicht mich jede Woche meine digitale Bestätigung, dass alles gut ist, wie es ist. Ein Newsletter! Einer, den ich wohlgemerkt gleich zu Beginn der Schwangerschaft abonniert habe; aus verschiedenen Gründen: Zum einen, um jede Woche darüber informiert zu sein, was aktuell in meinem Bauch so vor sich geht. Immerhin war das mein erstes Mal und ich tappte mit den meisten Dingen ziemlich im Dunklen. Mit dem Wunsch, die kommenden zehn Monate möglichst ohne viel medizinische Intervention zu geniessen, bot mir diese (zugegeben etwas fragwürdige) Kontrollinstanz immerhin (m)eine gewisse Routine. Außerdem schürte sie Vorfreude. Bereits Mittwochabend wartete ich  gespannt auf das digitale Update zu unserem neuen Familienmitglied. 

 

Was ich nicht wusste: der Newsletter wird auch über die Geburt hinaus weiter verschickt (macht ja Sinn). Das Prinzip ist noch immer dasselbe: Wöchentlich werde ich darüber informiert, was mein Kind jetzt im Regelfall alles schon kann/ können sollte, wie es die Welt gerade wahrnimmt, was ich tun kann, damit es glücklich und zufrieden ist... Und so weiter und so fort. Mittlerweile Fieber ich nicht mehr daraufhin, oft vergesse ich sogar ihn zu lesen, dann landet er ungeöffnet im Papierkorb. Nur manchmal klicke ich noch rein und muss lachen. Denn alles, was ich lese, weiss ich bereits. Nicht, weil ich es anderweitig schon gelesen habe (ich bin für gute Buchempfehlungen dennoch offen), sondern weil mein Sohn es mich bereits gelehrt  hat – nach dem Prinzip "Ursache und Wirkung" spielen wir uns einfach so  ein. Dieses Mal bin ich selbst die Kontrollinstanz. Ich brauche niemanden, der mir Ratschläge gibt. Wenn ich sie doch bekomme, merke ich regelrecht, wie meine innere Stimme verstummt und ich unsicher werde. Wie ich mich frage, ob die anderen Menschen vielleicht doch Recht haben. Dann schaue ich diesem wunderbaren kleinen Wesen, diesem Kind, das ich das meine nennen darf, tief in die Augen und weiß: Alles in Butter, alles gut, genauso wie es ist!

 

Und so lasse ich die Kommentare von wildfremden Menschen oft einfach über mich ergehen, lächle sie freundlich an ohne etwas zu erwidern. Ich könnte Zeit und Energie verschwenden, mich einzumischen, mit ihnen zu diskutieren, oder ich nehme sie zur Kenntnis ohne dabei die Tür zu meiner eigenen Stimme zu verschliessen. Am Ende tun sie ja niemandem weh, manchmal sind sie vielleicht doch für etwas gut und fast immer zeigen sie mir nur, dass ich sie nicht brauche. Dass wir Frauen, wissen worum es geht, wenn wir uns nur trauen, auf die eigene Stimme zu hören, ihr Raum geben, oder um es mit den weisen Worten meines Großvaters zu sagen: "Ich streite nicht mehr um die Dinge bis aufs Messer, ich weiß es besser und damit ist es genug." Danke Günter (auch dafür, dass Du mich gelehrt hast, meiner inneren Stimme Gehör zu schenken)!

 

Foto Credit: Pinterest

Please reload

des dezembers feste / wintersonnenwende, yule, rauhnächte, weihnachten & neujahr

21/12/2018

muttermilchschmuck von ATELIER MIAH / momente für die ewigkeit

17/10/2018

die backpacks von WAYKS / wegweiser in sachen nachhaltigkeit & transparenz

05/09/2018

1/10
Please reload

RSS Feed

Nuancen Journal ist ein persönliches Onlinemagazin, das sich für

einen achtsamen und ganzheitlichen Lebensstil einsetzt, das umdenkt

und beweist, dass Luxus nicht gleich Verschwendung bedeuten muss!