verpackungsfrei einkaufen / fünf einfache, erste schritte

31/1/2018

 

Um meine spärliche Erfahrung von gerade einmal vier Wochen "Zero Waste" an der Stelle mit etwas Handfesterem zu untermauern, möchte ich diesen Post mit den Worten von Lauren Singer von Trash Is For Tossers beginnen: "Zero Waste geht nicht über Nacht!" Stimmt, und auch nicht in vier Wochen. Und doch sind vier Wochen gerade genug Zeit, um alte Gewohn- und Gepflogenheiten zu überdenken und Dinge neu zu machen. Die ein oder andere, erforderliche Maßnahme liegt dabei vielleicht außerhalb der eigenen Komfortzone, ist allerdings keineswegs unerreichbar.

 

Heute ist der 31. Januar und damit wäre das hier eigentlich mein Resümee unseres 1-monatigen Selbstversuches. stattdessen ziehe ich heute aber nur eine ZwischenBilanz, denn trotz erster Anlaufschwierigkeiten steht für uns fest: Das Projekt Zero Waste ist mit diesem Monat nicht zu Ende, sondern hat für uns gerade erst begonnen.

 

Wer auch Lust hat, nachhaltiger einzukaufen, dem seien diese fünf Faustregeln ans Herz gelegt, die sich mir in den letzten Wochen erschlossen haben, frei nach dem Motto "learning by doing":

 

Faustregel No. 01: "Altes erst einmal aufbrauchen"

 

Natürlich ist eine Küche mit der Entscheidung fortan auf Plastik zu verzichten nicht auf einmal Plastikfrei. Deswegen wird als erstes einmal nach und nach aufgebraucht, was da ist und wandert anschließend auf dem Plastikfrei-Einkaufszettel. Die leeren Gläser (ich habe der Ordnung- und Optikhalber schon immer alles in Gläser abgefüllt, wer das nicht hat, sollte vielleicht damit beginnen, das erleichtert das Einkaufen auf lange Sicht ungemein) in die Einkaufstasche tun. Bei mir ist das ein Korb (siehe Foto), indem sich neben verschiedenen Stoffbeuteln (ich glaube jeder hat davon mittlerweile Unmengen im Haus, wenn nicht tun es auch alte Plastik- oder Papiertüten, solange keine neuen gekauft werden), 3 kleine Pappstiegen für Obst und Gemüse und 2-3 Reservegläser für spontane Einkäufe befinden. Für Nicht-Veganer: einen Eierkarton für Eier und eventuell eine Brotdose/ Glasdose für Käse/ Wurst/ Fleisch.

 

Faustregel No. 02: "Brauche ich das wirklich? Verzicht lernen!"

 

Drei Sorten Quinoa von vier verschiedenen Anbietern? Wenn es ums Einkaufen geht, sind wir definitiv verwöhnt. Im Supermarkt ist das Angebot so groß, dass die Wahl manchmal schon mehr zur Qual als zum Segen wird. Oft landen dann Dinge in meinem Einkaufskorb, die ich gar nicht brauche. Der Vorteil: das passiert beim unverpackt-Einkaufen plötzlich nicht mehr. Vielmehr kommt es dann natürlich vor, dass etwas auf der Liste steht, was es dann im Laden nicht gibt. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: die gewünschte Sorte Quinoa einfach woanders kaufen oder aber einfach mal drauf verzichten. Vielleicht tut es ja stattdessen auch Hirse? Sobald man sich damit abgefunden hat, dass nicht immer alles jederzeit verfügbar ist, ist das plötzlich auch kein Problem. 

 

 

Faustregel No. 03: "Nach unverpackten Alternativen suchen"

 

Nicht alles lässt sich auf Anhieb ersetzen und es wird Tage geben, an denen man einfach auch keine Lust hat, nach Alternativen zu suchen. Das ist okay! Vor allem im berufsalltag fehlt dafür oft die Zeit – nach dem wohlverdienten Feierabend weiter "arbeiten" zu müssen, ist vielen zu mühsam. Das verstehe ich und verfehlt auch den Sinn dieser Einstellung, denn etwas für die Umwelt und am Ende sich selbst zu tun, soll und darf auch Spaß machen. Das Geheimnis ist, sich bereits vorher – in einer ruhigen Minute – mal zu überlegen, wie man beispielsweise das heiß geliebte Shampoo verpackungsfrei ersetzen kann. Und ganz ehrlich: sobald man die Idee ein wenig verinnerlicht hat, lösen sich die meisten Fragen wie von selbst in Luft auf. 

 

 

Faustregel No. 04: "Planen vs. Improvisieren"

 

Zero Waste einkaufen bedarf vor allem eines: Flexibilität. Das fällt mir nicht schwer, weil ich seit jeher eher intuitiv als nach Rezept und ausgiebiger vorheriger Planung koche. Ich habe eine grobe Idee im Kopf, was wir die Woche über essen könnten – basierend auf regionalen Zutaten und mit ein bisschen Inspiration von Pinterest. Ich liebe es, mich hier durch verschiedene Rezepte zu klicken und mit dem ein oder anderen Bild vor Augen dann eigene zu kreieren. Im Umkehrschluss heißt das: Wer gerne und gut plant, vermeidet unnötige Einkäufe zwischendurch und kommt gut eine Woche mit den Vorräten aus. Das ist insofern essentiell, als dass unser Anfahrtsweg zur Schmeckerei in Wiener Neustadt etwas weiter ist (20 Minuten mit dem Auto) und wir den nur einmal auf uns nehmen wollen. Die Planung sollte allerdings nicht zu festgefahren sein, wie gesagt, wenn es etwas nicht gibt, muss man eben mal kurz umdisponieren. Auch eine Sache, die man mit Kind ohnehin schon gelernt hat und an die man sich ziemlich schnell gewöhnt. Wer wie ich ohne festen Plan losfährt und sich von dem treiben lässt, was die Regale anzubieten haben, überschlägt dann im Kopf grob die Gerichte. Damit sollte man ziemlich gut auskommen. Wir haben nach einer Woche immer noch Reserven für 1-2 Kreationen, falls wir es mal nicht wie sonst am Donnerstag schaffen einzukaufen.

 

 

Faustregel No. 05: "Mut haben, etwas anders zu machen oder sich zu erklären"

 

Bekannte Wege zu verlassen, stößt nicht immer auf Verständnis. Das ist normal und irgendwie essentiell. Denn ohne die damit verbundene Auseinandersetzung gäbe es keine Veränderung. Ich sehe es also als unfassbar wichtig an, dass andere mit dem Kopf schütteln oder nachfragen, was das alles soll. Nur so können wir uns austauschen und gegenseitig inspirieren. Es wird vor allem in herkömmlichen Supermärkten aber Situationen geben, in denen diese Auseinandersetzung ein wenig Mut erfordern kann. Dann, wenn wir beim Bäcker das Brot in unseren mitgebrachten Stoffsack oder den Käse an der Theke in die eigene Dose wünschen. Verkäufer argumentieren dann gerne mit Hygienevorschriften und dass sie das nicht dürfen. Wenn man ihnen dann allerdings sachlich erklärt, worum es einem geht, geben sie gerne nach. Ein Trick hat sich vor allem bewährt: Selbstbewusstsein suggerieren, auch wenn es vielleicht unangenehm ist. Beim Bestellen direkten Augenkontakt vermeiden und anstatt zu fragen einfach "350 Gramm davon bitte hier rein." erbitten. Die Selbstverständlichkeit, die dieser Akt mit sich bringt, verwirrt oft sosehr, dass er gar nicht mehr in Frage gestellt wird. Fun fact: Oft fragen die Kunden hinter einem dann, warum man das macht und in ihren Augen kann ich allzu oft Erkenntnis lesen. Wer weiß, vielleicht sind sie es, die es mir morgen gleichtun?

 

 

Mein Fazit: Zero Waste ist auf lange Sicht nicht nur nachhaltiger, sondern auch das Einkaufen gestaltet sich soviel entspannter – ich möchte behaupten, dass es nicht nur Zeit, sondern auch jede Menge Geld spart. Die Lebensmittel im Unverpackt-Laden sind nicht teurer als in herkömmlichen (Bio-)Märkten und der Aspekt, dass nichts mehr in der Einkaufstasche landet, was lediglich hübsch aussah, macht sich 1:1 im Geldbeutel bemerkbar. Für eine 3-köpfige Familie liegt unser wöchentlicher Einkauf derzeit bei etwa 30-40,00 Euro, was wirklich wenig ist im Vergleich zu früher. Dabei sind alle Lebensmittel bio und ich habe nicht das Gefühl, dass uns irgendetwas fehlt. Im Gegenteil, noch nie kam es mir vor, als würden wir so sehr aus der Fülle schöpfen, wie jetzt!

 

Was sind eure Erfahrungen? Habt ihr Zero Waste bereits ausprobiert? Wo stoßt ihr an Grenzen, was sind die Vorzüge in euren Augen? Oder seid ihr gar noch unsicher und wenn ja, was hält euch noch ab?

 

Ich freue mich auf euren Input.

 

 

 

Please reload

des dezembers feste / wintersonnenwende, yule, rauhnächte, weihnachten & neujahr

21/12/2018

muttermilchschmuck von ATELIER MIAH / momente für die ewigkeit

17/10/2018

die backpacks von WAYKS / wegweiser in sachen nachhaltigkeit & transparenz

05/09/2018

1/10
Please reload

RSS Feed

Nuancen Journal ist ein persönliches Onlinemagazin, das sich für

einen achtsamen und ganzheitlichen Lebensstil einsetzt, das umdenkt

und beweist, dass Luxus nicht gleich Verschwendung bedeuten muss!