das herbarium von dumont / die kräuterenzyklopädie des 21. jahrhunderts

5/3/2018

 

Im Einklang mit der Natur zu leben ist (wieder) en vogue – immer mehr Menschen besinnen sich auf ein einfaches, ursprüngliches Dasein zurück und teilen ihre Erfahrungen in digitalen Netzwerken. Dabei ist es vor allem altes Wissen, das neu aufbereitet wieder Anwendung findet – sogar ohne, dass man dafür erst angestaubte Bücher durchforsten müsste (auch wenn ich dergleichen ganz ohne Frage zu einer meiner Lieblingsbeschäftigungen zähle). Stattdessen findet man dieses seit neustem auch in einem Genre wieder, das sonst ausschließlich dekorative Absichten hegt – in Form von großformatigen Bildbänden mit möglichst wenig Text nämlich. die Rede ist von (meinen heiß geliebten) Coffee Table Books. Anstatt mit aufwendigen Fotografien trumpft der 1956 gegründete Dumont Buchverlag in seiner Interpretation des klassischen Herbariums allerdings mit farbenfrohen grafiken von Caz Hildebrand von der Londoner Agentur Here Design – das Erscheinungsbild: modern, minimalistisch, informativ.

 

Komprimiert und sachlich vermittelt Das Herbarium von Dumont praktische Tipps zu Anbau, Wirkung und Verwendung der Kräuter und erzählt zudem die geschichtlichen, kulturellen und medizinischen Hintergründe, von ihrer Wirkung und ihrer Symbolik – etwa, dass Maiglöckchen mit Keuschheit und Reinheit verbunden werden und deshalb häufig in Brautsträußen zu finden sind, dass Augentrost schon im 14. Jahrhundert als Allheilmittel bei Augenproblemen galt, dass Kerbel zur Schärfung des Verstands empfohlen wurde und man Schafgarbenzweige im 19. Jahrhundert nutzte, um die Treue eines Liebhabers zu testen. Die Begeisterung der Autorin für die Vielfalt der Kräuterwelt ist dabei allemal ansteckend: wie bei allen Dingen ist es die immense Vielfalt, die ihr und mein Herz höher schlagen lässt. Es gibt süße Kräuter und herbe Kräuter. Es gibt hochwüchsige und niedrigwüchsige. Manche Kräuter schmecken nach Zitrone, andere nach Knoblauch, Zwiebeln oder Lakritz. Einige können Wunden heilen, eine Handvoll sogar töten. Das meiste davon haben wir vergessen, weil es in unserem Alltag keine Anwendung mehr findet. Während der Mensch noch nie so naturfern wie heute gelebt hat, ist dieses Herbarium eine Erinnerung daran, wie uns die Natur gerade heute wieder von großem Nutzen sein kann.

 

Zwischen dem farbenfroh gestalteten Einband (der wohlgemerkt nur ein kleiner Vorgeschmack auf das ist, was einen drinnen erwartet) finden sich zum Verlieben schöne Grafiken, die die Ausgabe als reines Nachschlagewerk fast zu schade machen. Deswegen hat sie es jetzt auch tatsächlich auf meinen Couchtisch geschafft, wo sie gemeinsam mit The Kinfolk Home und The Bread Exchange in bester Gesellschaft ist. Wem die expressionistisch gestalteten Abbildungen selbst dafür zu schade sind, für den gibt es sie zumindest im Postkarten-Format zum Rahmen.

 

Fazit: Eine Kräuterkunde ganz im Sinne des 21. Jahrhunderts.

 

 

 

 

 

 

 

 

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