pflanzlich ernähren / ein paar gedanken...

14/3/2018

 

Vegan leben ist einerseits so einfach wie nie und doch dieser Tage mehr denn je Grundlage für teils haarsträubende Diskussionen! Ein Annäherungsversuch zwischen Befürwortern und Gegnern endet oft in einer verbalen Schlammschlacht, die ihresgleichen sucht - aus eigener Erfahrung kenne ich das (leider) nur zu gut! Dabei sind beide Seiten gleichermaßen kaum bereit, einen Schritt aufeinander zuzugehen. Eine Debatte, die mich zugegeben nicht nur müde und traurig, sondern vor allem wütend macht. Wütend ob ihrer Sinnlosigkeit!

Das Problem ist – wie so oft – das dogmatische Wesen des Menschen. Frei nach dem Motto "entweder..., oder..." und "ganz oder gar nicht" haben wir schon von klein auf gelernt, uns für eine Seite entscheiden zu müssen. Während Veganer komplett auf tierische Produkte verzichten – aus ethischen und/ oder gesundheitlichen Gründen – tun sich andere Menschen wiederum sehr schwer damit und können sich schlicht und ergreifend nicht vorstellen, mir nichts dir nichts alles tierische vom Speiseplan zu streichen. Das finde ich ehrlich gesagt nicht einmal verwerflich, im Gegenteil. Von heute auf morgen die eigene kulturelle Prägung über Bord zu werfen ist sogar ziemlich viel verlangt. Und während der ein oder andere noch mit sich hadert, ob er es nun nicht vielleicht doch auch mal probieren sollte, hat die Industrie ja längst so "gewissenhafte" Siegel wie "Bio", "Artgerecht" und "Freiland" hervorgebracht. Leiden muss heute und hierzulande ja nun schon lange kein Tier mehr! oder?

einer der Gründe, warum es der Veganismus derzeit ziemlich schwer hat, ist sein schlechter Ruf (eigentlich ein Widerspruch in sich, aber so ist es nunmal). Vegan zu sein, ist einfach nicht mehr en vogue, nachdem die erste Welle der Begeisterung abgeflacht ist und langfristig nur „Hippies“ und „Alternative“ dabeigeblieben zu sein scheinen (ich entschuldige mich an der Stelle für meine plakative Wortwahl – auch im weiteren Verlauf des Textes – sie gilt einzig und allein der Effekthascherei, die der Veganismus leider an manchen Stellen bitter nötig hätte)). Eine Zeit lang war er nicht nur aus ethischen, sondern auch aus gesundheitlichen Gründen nämlich in allen Bevölkerungsschichten ziemlich gefragt – aus ethischer Sicht hat er sich mit einer Handvoll Palmöl- und Soja-Skandalen ziemlich schnell selbst ins Aus geschossen. Ein gefundenes Fressen für all diejenigen, die gern mit dem Finger auf andere zeigen.

 

Wer sich dieser Tage noch mutig als Veganer outed, muss sich nicht nur stetig rechtfertigen und/ oder dumme Witze anhören, sondern erlaubt sich fortan besser bloß keine Fehler mehr, wird er doch von nun an ordentlich auf Unzulänglichkeiten gescannt. Wie immer gilt auch hier: wer sucht, der findet! Mir nichts dir nichts steht der "vermeintliche" Weltverbesserer am Pranger und hat plötzlich alles falsch gemacht! Ach du verdrehte Welt! 

 

Sicher, wer mutig ist, alte Gewohnheiten über den Haufen zu werfen und neue Wege zu gehen, sorgt unweigerlich auch dafür, dass andere die ihre überdenken und unter Umständen ebenfalls ändern müssen. Das ist unbequem – immer schon gewesen – und wird es immer sein. Von vornherein möglichst alles in Frage zu stellen ist also reine Prävention, den Andersdenkenden am anders denken zu hindern. Auch nichts wirklich Neues.

 

Nun wollen wir  an der Stelle aber Schubladen mal Schubladen sein lassen und uns lieber den knallharten Fakten widmen, die so gewichtig sind, dass sie ihrerseits selbst schon lange in keine mehr passen. Warum ich ausschließlich vegan lebe, lässt sich nämlich viel besser in Zahlen als in Worten zusammenfassen. (Achtung: ich lüge, wenn ich jetzt behaupte, dass ich mit diesem Text niemanden missionieren möchte. Wer Sorge hat, dass mir das am Ende sogar gelingen könnte, sollte an der Stelle aufhören zu lesen. Und wenn ich nur eine Handvoll Menschen dazu inspirieren kann, danach eben diesen Weg einzuschlagen und diese wiederum eine weitere Handvoll Menschen aus ihrem Umfeld dazu bringen (und so weiter und sofort), dann sind wir im Handumdrehen ziemlich viele und bald die Norm. Und damit zurück zum eigentlichen Kern – den Fakten:

 

Punkt 1:

 

Beginnen wir bei einem einfachen abendländischen Prinzip, einem von Zehn Geboten – immerhin die Grundpfeiler, auf denen unsere europäische Kultur und ethischen Wertvorstellungen ruhen: „Du sollst nicht töten!“. As easy as that! Und doch ist gerade das, das scheinbar schwächste aller Argumente, wenn es darum geht, anderen zu erklären, warum man vegan lebt. Klar, wir töten ja schließlich auch nicht selber, sondern lassen töten. Das heißt aber nicht, dass wir minder verantwortlich sind, für das, was mit den Tieren zu unserem Zweck passiert. Ich jedenfalls könnte mit meinen bloßen Händen kein Tier umbringen und  finde es deswegen auch unangebracht, es zu essen. Dabei ist das Sterben ja das eine, das unwürdige Leben davor wiederum eine ganz andere Geschichte. Wir alle kennen die Bilder der gegenwärtigen Tierhaltung, die leider trotzdem nur ein unscheinbarer Schatten über den verkaufsstarken "Auf-Der-Weide-Grasenden-Kühe"-Kampagnen darstellen. Der Mensch sieht eben gerne auch immer nur das, was er sehen möchte. Alles andere sind Verschwörungstheorien – allgemein bekannt als die am öftesten gebrauchte Ausrede, sich nicht mit etwas Unbequemen auseinandersetzen zu müssen. Wer das alles mit seinem Gewissen vereinbaren kann, dem kann ich zu soviel Skrupellosigkeit nur gratulieren (der Schuss geht nicht per se gegen Menschen, die Fleisch essen, sondern gegen die, die wahllos alles essen ohne zu hinterfragen, woher es kommt).

 

Punkt 2:

 

Die Produktion von Fleisch und anderen tierischen Nahrungsmitteln ist eine ungeheuere Energie- und Ressourcen-Verschwendung. Sie verbraucht weitaus mehr unserer Lebensgrundlagen als pflanzliche Lebensmittel es je tun werden. Immerhin über 70 % der globalen Agrarflächen sind Weideland, das teilweise 1:1 zum Anbau von pflanzlicher Nahrung für den Menschen nutzbar wäre. Vom weltweiten Ackerland selbst werden wiederum über 70% für die Erzeugung von Futtermitteln beansprucht. Die „Umwandlung“ pflanzlicher in tierische Kalorien verschwendet neben riesiger dieser Flächen vor allem Wasser, Pflanzennährstoffe und fossile Energieträger.

 

Punkt 3:

 

Unabhängig davon leben die Tiere unter den unwürdigsten Bedingungen, ob in nachhaltiger, biologischer Landwirtschaft oder konventioneller. Das eine ist ein bisschen besser als das andere. Nachweislich Artgerecht ist zumeist keine von beideN Haltungen, dafür sind fast alle Betriebe schlichtweg noch immer zu groß, auch die kleinen. Artgerecht wäre es, ein Tier in Freiheit leben und eines natürlichen Todes sterben zu lassen.

 

Nun gibt es immer noch die Verfechter der Theorie, dass tierische Produkte für den Menschen (über)lebensnotwendig sind. Bullshit (Sorry)! Das Gegenteil ist der Fall: Calcium und Proteine lassen sich pflanzlich ebenso gut zuführen, ersteres hat sogar eine viel bessere Bioverfügbarkeit, kann vom Körper also besser aufgenommen werden. Letzteres braucht der Mensch längst nicht in dem Ausmaß, wie die Industrie uns weismachen möchte. Beim Thema Vitamin B12 kann ich nur ebenso müde lächelnd abwinken. Dieses essentielle Vitamin wird auch von Tieren nicht selbst produziert, sondern über die Nahrung mit aufgenommen – in erster Linie durch den Verzehr von Erde und Dreck beim Grasen und wühlen im Boden. Da unsere Nutztiere in den meisten Fällen nicht mehr auf einem eben solchen gehalten werden, wird Vitamin B12 künstlich zu ihrer Nahrung supplementiert. Da bleibe ich schon lieber bei meinem, von mir selbst gewählten, Nahrungsergänzungsmittel (ich nehme übrigens dieses hier).

 

Das alles sollen Denkanstöße sein – das heißt ja nicht zwangsläufig fortan nur noch verzichten zu müssen, wohl aber vielleicht manche Gewohnheit zu überdenken und zu ändern. Immerhin isst jeder Bundesbürger in Deutschland im Durchschnitt Rund 60 Kilogramm Fleisch pro Jahr. Im Laufe seines Lebens summiert sich das auf über 1.000 für den Verzehr geschlachtete Tiere – Fische und andere Meerestiere nicht mitgerechnet. 

 

Die Antwort auf das Problem ist derzeit die biovegane Landwirtschaft, die nicht nur auf das Mitwirken und Halten von Tieren verzichtet, sondern auch auf Mineraldünger jeglicher Art. Weil ich mit dem plakativen Terminus "vegan" allerdings sehr schwer tue, bezeichne ich meinen Lebensstil lieber als pflanzen-basiert und nehme Angriffslustigen Korinthen****n damit schonmal den Wind aus den Segeln. Während ich nämlich nie Fleisch esse, sind Butter, Eier und Milch hin und wieder okay für mich (auf Reisen beipielsweise, wenn es mir darum geht, die landestypische, traditionelle Küche kennenzulernen und wenn ich Hühner und Kühe persönlich kennenlernen und mich von ihrem glücklichen leben überzeugen konnte – dazu gehört für mich als Mama auch der Fakt, ob ein Kälbchen bei seiner Mutter aufwachsen durfte und von ihrer Milch ernährt wurde oder binnen weniger Stunden nach der Geburt von ihr getrennt werden musste (zur Info: Kälbchen werden für gewöhnlich in "Einzelhaft" großgezogen und künstlich ernährt. Die Milch der Kuh wird schließlich für unsere Zwecke gebraucht. Das geschieht indem ihre Euter maschinell stimuliert werden, um die Milchproduktion am Laufen zu halten. Für jede Mutter eine Horror-Vorstellung, egal welcher Spezies! #justsayin) . 

 

Wer sich weitergehend mit dem Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und der stetigen Umweltbelastung auseinandersetzen möchte, dem sei dieser Beitrag wärmstens ans Herz gelegt. Auch Brand Eins hat vor wenigen Tagen ein wirklich lesenswertes "Was-Wäre-Wenn"-Szenario veröffentlicht.  

 

Was es sonst noch zu wissen gibt:

 

Gütesiegel im Vergleich vom WWF

spannende Fakten zum Thema biologische Landwirtschaft und artgerechte Tierhaltung


Was braucht der vegan lebende Mensch, kann man wirklich alles durch pflanzliche Alternativen ersetzen? Die Antwort ist ja! Der Mensch hat aufgrund von Nährstoffmangel im Winter und schlechten Zeiten diese Dinge irgendwann einmal durch tierische Produkte ersetzt. Da wir ja nun aber von allem mehr als genug haben, können wir dann wieder anfangen umzudenken.

Eine super Übersicht findet man unter anderem hier. Ich habe diese Dinge ausgedruckt in der Küche hängen, so fällt der Umstieg leichter, man kann schließlich nicht auf Anhieb alles wissen.

 

Wer richtig tief eintauchen will, dem kann ich wärmstens Earthling Ed's Website empfehlen, sowie seine Social Media Kanäle. Der Typ ist einer von denen, die keine Kompromisse machen, aber seine Argumente und Herangehensweise sind wirklich gut und sein Enthusiasmus ansteckend!

 

 

 

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