nachhaltig konsumieren / luxusproblem & politikum

21/8/2018

 

Neulich im Supermarkt an der Kasse: während ich das Rollband mit meinem unverpackten Obst und Gemüse, einem Stoffbeutel mit Brot und diversen, mit Bio- und Fairtrade-Labels versehen Verpackungen aus Papier belade, komme ich nicht drum herum verstohlen auf das viele überflüssige Plastik in den Einkaufswagen vor und hinter mir zu schielen. Seit ich bewusst darauf achte, selbst so gut es geht darauf zu verzichten, überrollt es mich an anderen Stellen manchmal so sehr, dass ich drauf und dran bin den Mut zu verlieren und alles hinzuschmeißen. Und wie so oft bin ich auch an diesem Samstagmorgen ganz klar der Sonderling in dieser Schlange. Akribisch studiere ich Inhaltsstoffe, suche nach dem Produkt mit der nachhaltigsten Verpackung, wäge jede Entscheidung ab und verzichte. Einkaufen ist für mich zum Politikum geworden (und ich werde einen Teufel tun, daran etwas zu ändern). Doch auch, wenn bewusstes Konsumieren irgendwann eine gewisse Routine bekommt und sich vieles etabliert, bleibt es mit Mehraufwand verbunden.

 

Der größte Unterschied macht sich aber immer dann bemerkbar, wenn es ans Bezahlen geht. Die wenigen, unverpackt übers Rollband kullernden Sachen kosten gefühlt so viel, wie der sich endlos türmende, fantastisch-plastische Monatseinkauf der Familien vor und hinter mir zusammen. "Ah, die Müllvermeider" höre ich eine von ihnen sagen, "den Luxus muss man sich leisten können." So sehr ich mich darüber freue, dass erkenntlich wurde, was ich mit meinem Einkauf bezwecke und dass sie sich sogar die Mühe gemacht haben, mir einen Namen zu geben (während die Frau an der Kasse noch immer jedes Mal nach einem Plastiksack greift, um Herrin über mein lose umherrollendens Gemüse zu werden – wohlgemerkt mit den besten aller Absichten), so sehr ärgere ich mich darüber, dass sie leider Recht haben.

#greenliving ist ein Trend, den sich die Industrie ordentlich was kosten lässt – zu ihren Gunsten. Lokal, unverpackt und gesund (ergo Lebensmittel aus biologischem Anbau ohne Rückstände giftiger Chemikalien) zu konsumieren ist purer Luxus, den sich manche nicht leisten wollen, viele aber schlicht und ergreifend einfach nicht leisten können. Die Norm ist zur Ausnahme geworden und wir spielen mit. Jeden Tag. Mit allem, was in unserem Einkaufswagen landet, sagen wir ja. Ja zu einem bestehenden System, das krank und falsch ist. Ein System, in dem ein Bio-Apfel aus der Region mehr kostet, als ein ganzer Kilo seiner südeuropäischen Discounter-Pendants. Ein System in dem Bananen und Avocados aus Übersee billiger sind (und dabei garantiert nicht unter den menschlichsten Bedingungen erwirtschaftet wurden) als die gleiche Menge saisonaler Früchte, wie Aprikosen oder Pflaumen. Ich mein ja nur. Und leisten kann ich mir diesen "Luxus" auch nur, weil ich an anderer Stelle auf dergleichen verzichte. 

 

So lange das so ist, so lange bin ich gerne der Sonderling. Ich mach das nämlich nicht nur für mich und meine Familie und Kinder, sondern auch für die Kinder der Familien vor und hinter mir. Für uns alle. Weil der Karren ziemlich tief im Dreck steckt und jeden etwas angeht, ob wir wollen oder nicht. Er fühlt sich manchmal entmutigend und sinnlos an, mein Aktionismus. Immer dann, wenn ich auf all die Gleichgültigkeit in den Gesichtern an der Supermarktkasse stoße. Und doch bin ich überzeugt, dass sich nur so etwas ändern kann. #babysteps eben, wenn sie denn nur reichen. Mein Einkaufszettel mit der fetten Summe ist mein Stimmzettel und mein ganzer Stolz. Ich habe entschieden. Für das eine und gegen das andere. Damit trage ich langfristig dazu bei, was zukünftig in den Regalen der Supermärkte landet. Simple as that. Auf dass die Ausnahme bald wieder die Norm ist und sich der ein oder andere inspiriert fühlt, ebenfalls Taten sprechen zu lassen.  

 

Aho!

 

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