gedanken / make empathy great again

25/10/2017

 

 Wir leben in einer Zeit, in der Gesetze und Vorschriften unser Zusammen-leben regeln. Auch wenn diese hier und da selbstverständlich wichtig sind, gehen sie allzuoft leider auf Kosten einer dem Menschen einzigartigen und wertvollen Eigenschaft: unserer Empathie. Wieder einmal aufgefallen ist mir das vor wenigen Tagen. Ich war mit meinem acht Monate alten Sohn am Flughafen in Wien auf dem Weg nach Stockholm unterwegs. Nachdem Check-In und der Aufgabe von Gepäck und Kinderwagen ging es mit Handgepäck und dem Mini in der Trage Richtung Sicherheitskontrolle. Im Winter fällt dabei immer gleich ein wenig mehr Zeugs an, das man so mit sich herumschleppt. Der direkte Weg zum Gate hätte durch den Business-Bereich einer großen österreichischen Airline geführt – mein Ziel nur wenige Meter in Sichtweite von mir entfernt. Außer gähnender Leere und drei weiteren Check-In Schaltern für VIPs gab es da ehrlich gesagt nicht viel zu holen. Meiner Bitte, mich doch schnell hier durchzulassen (ohne vorzuweisendes Business-Ticket versteht sich) konnte die Aufseherin aber leider nicht nachkommen und wehrte mich mit dem Kommentar, "Sie habe nunmal ihre Vorschriften", ab. damit hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet und stand mit bereits einem Bein im besagten Bereich, immerhin ging es lediglich um eine Strecke von max. 250 Meter, die sie, ohne sich umdrehen zu müssen mit einem Augen hätte überwachen können. Sie blieb allerdings hartnäckig und verwies mich auf den regulären Weg, der mich stattdessen etwa fünf Minuten kostete – bepackt mit den ganzen Sachen eine halbe Ewigkeit für mich. Ich habe mich irgendwann dafür entschieden, solchen Situationen keine Energie mehr zu schenken und nicht mit der jungen, sehr wohl ambitionierten Mitarbeiterin zu streiten. Sie tat, was man ihr aufgetragen hatte, ob aus Pflichtbewusstsein oder Angst, ihren Job zu verlieren, spielt dabei eigentlich keine Rolle. Auch ist sie nur ein Beispiel für unsere in dieser Hinsicht aus dem Gleichgewicht geratene Gesellschaft. Denn ich bin mir sicher: Sie hat mit sich gerungen und sich dennoch gegen ihre Empathie entschieden.

 

Keine zwei Stunden später ereignet sich eine ähnliche Situation. Das Flugzeug derselben Airline war an diesem Tag nur zur Hälfte gefüllt, was mit einem kleinen Kind natürlich immer recht angenehm ist. Mein Sohn ward nach einer Stunde Flugzeit bereits recht unruhig (so lange still sitzen ist ja auch langweilig), weswegen ich mir die Trage schnappte und mit ihm im Gang spazieren ging – in der Hoffnung, dass er einschlafen würde. Natürlich tat ich das auch in Rücksichtnahme auf die anderen Passagiere, die verständlicherweise nicht allzu erfreut über seinen lautstarken Protest waren. Da im vorderen Teil des Flugzeugs mehr Platz war, hielt ich mich eher hier auf, um nicht dauernd jemanden anrempeln zu müssen. Ein Vorhang markierte allerdings auch hier sichtbar, für wen dieser Bereich gedacht war: die first class. Bis auf einer Frau zählte sich an diesem Tag allerdings niemand zu dieser und diese hatte wiederum sichtlich Spaß an und mit meinem Sohn. Alle anderen Plätze waren leer. Als mir klar wurde, dass die effektivste Lösung wäre, ihn in den Schlaf zu stillen, habe ich mich nach vorne gesetzt – auf einen dieser Plätze mit ganz viel Beinfreiheit – eigentlich den Besserbezahlern vorenthalten, nur waren dieses Mal nicht viele von ihnen da. Ich war froh über die ungestörte Atmosphäre – vor, neben oder hinter mir saß sonst niemand – mit einem acht Monate alten Baby auf nur einem regulären Sitzplatz ist das Stillen für den Sitzachbarn nämlich nicht selten etwas befremdlich. Mein Plan ging auf: mein Sohn schlief in meinen Armen ein und ich konnte regelrecht hören, wie die anderen Gäste in meinem Rücken sichtlich aufatmeten. Endlich etwas Ruhe.

 

Keine zehn Minuten später stand jedoch eine Stewardess vor mir, um mich etwas harsch darauf aufmerksam zu machen, dass sie mich jetzt wieder nach hinten bitten müsse, ich habe hierfür schließlich nicht bezahlt. Wieder bin ich mehr als überrascht. Ich habe ehrlich gesagt mit allem gerechnet, aber damit nicht. Ich gebe kurz zu verstehen, dass mein Sohn dabei unter Umständen wieder aufwecken würde (was ihr allerdings egal zu sein schien) und kam ihrer Bitte ohne weiteres nach.

 

Zurück auf meinem Platz komme ich dennoch nicht umher, mich zu fragen, woher es kommt, dass wir uns so sehr von Regeln und Vorschriften fremd bestimmen lassen? Es geht mir dabei keineswegs darum, besagte Mitarbeiterinnen oder Airline an den Pranger zu stellen. Im Gegenteil, beide wären in dieser Geschichte sogar sehr leicht austauschbar. (zumal ich der Fairness halber auch erwähnen möchte, dass der Service für eine allein reisende Mama mit Baby sonst sehr gut war). Stattdessen befürchte ich, dass wir es als Gemeinschaft so nicht sehr weit bringen werden. also habe ich mich gefragt, wann ich eigentlich so reagiere und Recht haben will, anstatt Situationsbedingt einfach auf  mein Gegenüber einzugehen und mein Gefühl zu vertrauen. Das Ergebnis überrascht mich wieder: viel zu oft.

 

Am Ende muss ich den beiden Damen also sogar dankbar sein – hat ihr Verhalten doch dazu geführt, dass ich meines in Zukunft an manchen Stellen überdenken werde! 

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